
Babyboomer und Wohnen im Alter
Wie wollen Babyboomer im Alter wohnen?
Die Babyboomer werden das Wohnen im Alter verändern. Die geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis 1969, erreichen nach und nach das Rentenalter. In den kommenden Jahren wird sich damit auch die Frage zuspitzen, wie diese große Generation im Alter leben und bei Bedarf versorgt werden möchte.
Dabei geht es nicht allein um zusätzliche Pflegeplätze. Viele Babyboomer möchten möglichst lange selbstbestimmt leben und auch bei einem steigenden Unterstützungsbedarf nicht auf die eigene Privatsphäre und eine wohnliche Umgebung verzichten.
Allerdings fehlt es vielerorts an passenden Angeboten. Bereits heute mangelt es in Deutschland an rund 2,2 Millionen altersgerechten Wohnungen. Bis 2040 könnten etwa 3,3 Millionen barrierefreie Wohnungen benötigt werden. (Quelle: Sozialverband VdK)
Für Betreiber, Projektentwickler und Pflegeeinrichtungen stellt sich deshalb die Frage: Wie müssen Wohn- und Pflegeangebote gestaltet sein, damit sie zu dieser Generation passen?
Ageing in Place: Selbstbestimmt im vertrauten Umfeld bleiben
Das Leitprinzip „Ageing in Place“ beschreibt den Wunsch, möglichst lange selbstständig im eigenen Zuhause oder zumindest im vertrauten Wohnumfeld zu bleiben.
Laut einer Studie des Berlin-Instituts und der Körber-Stiftung leben 96 Prozent der Menschen über 64 Jahre weiterhin in ihrem eigenen Zuhause. Zudem verfügen 85 Prozent der Haushalte dieser Altersgruppe nicht über einen stufenlosen Zugang. (Quelle: Körber-Stiftung)
Genau hier liegt die Herausforderung: Viele Babyboomer wohnen heute in Häusern oder Wohnungen, die für ein selbstständiges Leben im höheren Alter nur bedingt geeignet sind. Treppen, schmale Türen, fehlende Aufzüge oder nicht barrierefreie Bäder können schnell zum Problem werden.
Ageing in Place bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, bis zuletzt in der bisherigen Wohnung zu bleiben. Es kann auch heißen, innerhalb des vertrauten Quartiers in eine passendere Wohnform umzuziehen, beispielsweise in ein barrierefreies Apartment, eine Pflege-WG oder ein Angebot des Service-Wohnens.
Neue Wohnformen ergänzen das klassische Pflegeheim
Das klassische Pflegeheim wird auch in Zukunft gebraucht, insbesondere bei einem hohen Pflege- und Betreuungsbedarf. Auch der Wohn- und Pflegemarkt wird vielfältiger.
Viele Babyboomer wünschen sich Lösungen, die mehr Eigenständigkeit ermöglichen und sich stärker am normalen Wohnen orientieren. Dadurch gewinnen verschiedene Wohnformen an Bedeutung:
- Service-Wohnen mit barrierefreien Apartments und flexibel buchbaren Leistungen
- ambulant betreute Pflege-WGs mit privaten Zimmern und gemeinschaftlich genutzten Bereichen
- Mehrgenerationenhäuser, in denen verschiedene Altersgruppen zusammenleben
- Wohnquartiere mit Pflege-, Betreuungs- und Serviceangeboten in direkter Nähe
- kleinere, dezentral organisierte Wohnbereiche innerhalb stationärer Einrichtungen
Das offizielle Gesundheitsportal des Bundes nennt neben der eigenen Wohnung und stationären Einrichtungen ausdrücklich Service-Wohnen, betreute Wohngemeinschaften und Mehrgenerationenwohnen als mögliche Wohnformen bei einem Pflege- oder Betreuungsbedarf. (Quelle: gesund.bund.de)
Die Reise geht damit weg von einer starren Trennung zwischen dem eigenen Zuhause und dem Pflegeheim. Dazwischen entstehen immer mehr Angebote, die das Wohnen und die Pflege flexibel miteinander verbinden.
Neue Apartmentmodelle schaffen mehr Wahlmöglichkeiten
Ein eigenes Apartment innerhalb eines betreuten Wohnangebots kann für viele Babyboomer ein guter Mittelweg sein. Die Bewohner leben weiterhin in ihren eigenen vier Wänden, können aber bei Bedarf auf Service- oder Pflegeleistungen zurückgreifen.
Damit solche Angebote langfristig funktionieren, müssen sie sich an unterschiedliche Lebensphasen anpassen lassen. Ein Bewohner benötigt beim Einzug vielleicht noch keine Unterstützung. Einige Jahre später können aber ein Rollator, ein Pflegebett oder zusätzliche Hilfsmittel notwendig werden.
Die Einrichtung sollte deshalb nicht nur modern aussehen, sondern vorausschauend geplant sein. Dazu gehören:
- barrierearme und ausreichend breite Wege
- schwellenlose Übergänge
- gut erreichbare Schränke und Ablagen
- flexible Möbel
- ausreichend Bewegungsfläche
- pflegeleichte und langlebige Materialien
- Platz für spätere Pflege- und Transferhilfen
Auch persönliche Möbelstücke und Erinnerungen sollten sich integrieren lassen. Denn gerade für die Babyboomer wird es wichtig sein, dass ein Apartment nicht vollständig vorgegeben wirkt, sondern weiterhin als eigenes Zuhause wahrgenommen wird.
Pflege-WGs verbinden Privatsphäre und Gemeinschaft
Ambulant betreute Pflege-WGs orientieren sich stärker am Alltag in einer normalen Wohnung. Jeder Bewohner verfügt über einen privaten Rückzugsbereich. Küche, Wohn- und Essbereiche werden gemeinsam genutzt.
Dieses Modell bietet den Bewohnern mehr Selbstbestimmung und ermöglicht zudem die sozialen Kontakte. Unterstützung erhalten sie beispielsweise durch ambulante Pflege- und Betreuungsdienste, Angehörige oder eine Präsenzkraft. (Quelle: Gesund.bund.de)
Für die Einrichtung solcher Wohngemeinschaften ist die richtige Balance entscheidend. Private Räume müssen genügend Rückzugsmöglichkeiten anbieten, während Gemeinschaftsbereiche so gestaltet sein sollten, dass sich die Bewohner dort gerne aufhalten.
Besonders wichtig sind:
- flexible Ess- und Aufenthaltsbereiche
- unterschiedliche Sitzmöglichkeiten
- eine gute Akustik
- gute und leichte Orientierungsmöglichkeiten
- ausreichend Platz für Pflegekräfte und Hilfsmittel
Die Räume müssen nicht wie eine Pflegeeinrichtung aussehen. Trotzdem sollten sie den täglichen Anforderungen der Bewohner und Pflegekräfte standhalten.
Generationsübergreifende Quartiere statt isolierter Einrichtungen
Auch das direkte Wohnumfeld wird für die Babyboomer eine größere Rolle spielen. Ein barrierefreies Apartment allein reicht nicht mehr aus, wenn Einkaufsmöglichkeiten, die medizinische Versorgung oder soziale Angebote nur schwer erreichbar sind.
Deshalb gewinnen Quartierskonzepte immer mehr an Bedeutung. Sie verbinden unterschiedliche Wohnformen mit verschiedenen Dienstleistungen, gemeinsamen Treffpunkten und Pflegeangeboten. Jüngere und ältere Menschen können somit im selben Quartier leben, ohne dass ein abgegrenzter Bereich nur für Senioren entsteht.
Zur altersfreundlichen Gestaltung gehören beispielsweise:
- barrierefreie Wege
- Sitzmöglichkeiten und gemeinschaftliche Treffpunkte
- Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten
- ambulante Pflegeangebote
- Tagespflege und Betreuung
- gemeinschaftlich nutzbare Räume
- eine gute Anbindung an das Umfeld
Die Körber-Stiftung und das Berlin-Institut betonen, dass altersgerechtes Wohnen nicht an der Wohnungstür endet. Auch die Nachbarschaft und soziale Netzwerke müssen mit einbezogen werden. (Quelle: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)
Wohnlichkeit und Pflege müssen zusammengedacht werden
Ob Service-Apartment, Pflege-WG oder stationäre Einrichtung: Die zukünftigen Bewohner werden stärker darauf achten, wie sich ein Ort anfühlt.
Wohnlichkeit entsteht nicht allein durch schöne Möbel. Farben, Materialien, Beleuchtung, Akustik, Gardinen und persönliche Gestaltungsmöglichkeiten müssen zusammenspielen. Wichtig dabei ist natürlich, dass die Funktionalität im Pflegealltag nicht verloren gehen.
- Bewohner möchten sich sicher und zu Hause fühlen.
- Pflegekräfte benötigen Platz, kurze Wege und funktionierende Abläufe.
- Betreiber achten auf Langlebigkeit, Wirtschaftlichkeit und eine flexible Nutzung.
Eine passende Objekteinrichtung für Pflegeeinrichtungen bringt genau diese Anforderungen zusammen. Das gilt für einzelne Bewohnerzimmer und für Apartments, Pflege-WGs, Gemeinschaftsbereiche oder komplette Wohnkonzepte.
Pflegehilfsmittel müssen von Anfang an mitgeplant werden
Mit zunehmendem Unterstützungsbedarf werden auch Pflege- und Transferhilfen wichtiger. Sie erhöhen die Sicherheit der Bewohner und entlasten Pflegekräfte bei körperlich anstrengenden Aufgaben.
Patientenlifter, Aufrichthilfen oder andere Transferhilfen können jedoch nur sinnvoll eingesetzt werden, wenn die Räume genügend Bewegungsfläche bieten. Werden sie erst nachträglich berücksichtigt, fehlen häufig geeignete Stellflächen oder ausreichend breite Wege.
Deshalb sollte bereits bei der Planung geklärt werden:
- Welche Hilfsmittel könnten später benötigt werden?
- Gibt es ausreichend Platz für sichere Transfers?
- Wo können Hilfsmittel abgestellt und gelagert werden?
- Sind Pflegebetten und Möbel flexibel positionierbar?
- Können Pflegekräfte ergonomisch arbeiten?
So kann die Wohnung auch bei verändertem Unterstützungsbedarf weiterhin den Bedürfnissen der Bewohner gerecht werden.
Digitalisierung und Robotik verändern auch das Wohnen
Digitale Lösungen werden zukünftig nicht nur Pflegeprozesse verändern, sondern auch den Wohnalltag. Dazu können Hausnotrufsysteme, digitale Kommunikation, Sensorik, automatische Beleuchtung oder technische Assistenzsysteme gehören.
Auch Robotik kann einzelne Aufgaben unterstützen, beispielsweise bei der Kommunikation mit den Bewohnern, Transporten, der Orientierung oder für wiederkehrende Abläufe. Sie wird die persönliche Pflege nicht ersetzen, kann aber dazu beitragen, die Pflegekräfte zu entlasten.
Gerade angesichts des steigenden Personalbedarfs wird diese Unterstützung wichtiger. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen könnten. (Quelle: Statistisches Bundesamt)
Wohn- und Pflegekonzepte sollten deshalb technisch vorbereitet sein. Stromanschlüsse, WLAN, geeignete Stellflächen und klare Arbeitsabläufe müssen bereits bei der Planung berücksichtigt werden.
Die Babyboomer sind Problem und Lösung zugleich
Die Größe der Babyboomer-Generation führt dazu, dass der Bedarf an geeigneten Wohn- und Pflegeangeboten stark steigen wird. Genau diese Generation kann den notwendigen Wandel mitgestalten.
Eine Pflegestudie der opta data Zukunfts-Stiftung zeigt allerdings, dass sich viele Babyboomer bisher kaum mit der eigenen Pflege auseinandersetzen. 78 Prozent der Befragten planen ihre eigene Pflege nicht, 84 Prozent sehen Pflege als ein Schicksal, auf das man sich nicht vorbereiten könne. Für die Studie wurden 1.063 Babyboomer der Jahrgänge 1955 bis 1969 befragt. (Quelle: opta data Zukunfts-Stiftung)
Dabei wäre gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, neue Wohnmodelle zu entwickeln. Die Babyboomer können ihre Erfahrungen und Erwartungen einbringen und damit dazu beitragen, dass Angebote entstehen, die später tatsächlich angenommen werden.
Wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick:
Wie möchten Babyboomer im Alter wohnen?
Viele Babyboomer möchten möglichst lange selbstbestimmt und in einem vertrauten Umfeld leben. Neben der eigenen Wohnung kommen deshalb Service-Wohnen, Pflege-WGs, Mehrgenerationenwohnen und quartiersbezogene Wohnangebote infrage.
Werden klassische Pflegeheime künftig nicht mehr gebraucht?
Doch. Stationäre Pflegeeinrichtungen bleiben besonders für Menschen mit einem hohen Pflege- und Betreuungsbedarf notwendig. Sie werden sich jedoch stärker am normalen Wohnen orientieren und mehr Individualität ermöglichen müssen.
Was ist bei der Einrichtung neuer Wohnformen wichtig?
Räume sollten barrierearm, wohnlich und flexibel nutzbar sein. Zudem sollten die Räume so geplant sein, dass Pflegekräfte dort gut arbeiten und Pflegehilfsmittel sicher einsetzen können.
Welche Rolle spielt CARELINE bei neuen Wohnkonzepten?
CARELINE denkt heute schon an die Zukunft und unterstützt Betreiber und Einrichtungen bei der Planung und Ausstattung von Bewohnerzimmern, Apartments, Pflege-WGs und Gemeinschaftsbereichen. Dabei werden Wohnlichkeit, Funktionalität und die täglichen Abläufe der Pflege miteinander verbunden.
Fazit
Die Zukunft liegt zwischen einem Zuhause und einem Pflegeheim.
Die Babyboomer werden das Wohnen im Alter nachhaltig verändern. Gewünscht sind Angebote, die Selbstständigkeit, Privatsphäre und Gemeinschaft miteinander verbinden.
Die Zukunft liegt deshalb nicht allein im klassischen Pflegeheim und auch nicht ausschließlich im Verbleib in der bisherigen Wohnung. Service-Apartments, Pflege-WGs, Mehrgenerationenprojekte und altersfreundliche Quartiere schaffen neue Möglichkeiten zwischen diesen beiden Polen.
Für Betreiber und Projektentwickler bedeutet das, Räume flexibler zu denken. Wohnlichkeit, Barrierefreiheit, Pflegeanforderungen und technische Entwicklungen müssen von Anfang an zusammenspielen.
CARELINE begleitet Sie bei der Planung und Ausstattung moderner und zukunftsfähiger Wohn- und Pflegekonzepte, vom einzelnen Apartment über gemeinschaftlich genutzte Bereiche bis zur vollständigen Objekteinrichtung.