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Studienreise nach Norwegen: Inspirierende Einblicke in innovative Demenzkonzepte

10. Juni 2026


Drei Tage voller Inspiration, spannender Gespräche und beeindruckender Einrichtungen: Meine erste Studienreise führte mich gemeinsam mit einer Gruppe von Experten aus der Pflegebranche nach Oslo.

Stellvertretend für CARELINE durfte ich an dieser besonderen Reise teilnehmen, die von Tanja Ehret von CareTRIALOG organisiert wurde. Rückblickend kann ich sagen: Es waren drei Tage mit vielen neuen Eindrücken, wertvollen Kontakten und faszinierenden Einblicken in die norwegische Pflegewelt.

Tag 1: Ankommen, Kennenlernen und erste Einblicke in Norwegen

Nach unserer Ankunft in Oslo ging es zunächst in unser Hotel auf dem Holmenkollen, ganz in der Nähe der berühmten Skisprungschanze. Die Lage war beeindruckend, umgeben von Natur und mit einem wunderschönen Ausblick, sofern der norwegische Nebel dies zuließ.

Nach dem Check-in trafen wir uns direkt im Konferenzraum. Dort erwartete uns nicht nur ein kleines Gastgeschenk, sondern auch ein spannender Vortrag von Stefan Barfeld, CEO der Bano Group. Er gab uns interessante Einblicke in das norwegische Gesundheits- und Pflegesystem und erklärte die Besonderheiten des Landes.

Besonders spannend fand ich, dass Norwegen zwar als wohlhabendes Land gilt, es aber dennoch große Unterschiede zwischen den einzelnen Kommunen gibt. Diese Erkenntnis sollte uns während der Einrichtungsbesuche noch mehrfach begegnen.

Nach einem kleinen Aperitif ließen wir den Abend bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen. Dabei hatten wir die Gelegenheit, uns kennenzulernen und auszutauschen. Schnell wurde klar, dass wir eine außergewöhnlich interessante Reisegruppe waren. Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Blickwinkeln und Fachgebieten, die alle die gleiche Leidenschaft teilen: die Weiterentwicklung der Pflege.

Tag 2: Beeindruckende Demenzkonzepte zwischen Filtvet und Bærum

Bereits um 8:15 Uhr starteten wir in Richtung Filtvet, einer Kommune südlich von Oslo.

Hurum bo- og omsorgssenter

Unser erster Besuch führte uns in das Demenzzentrum Hurum bo- og omsorgssenter.

Dort erhielten wir einen umfassenden Einblick in die tägliche Arbeit der Einrichtung sowie in die Herausforderungen der Versorgung von Menschen mit Demenz in Norwegen. Zunächst wurde uns das Konzept des Hauses, die Organisation der Pflege sowie die eingesetzten technischen Unterstützungssysteme vorgestellt. Anschließend hatten wir die Möglichkeit, die Einrichtung zu besichtigen und unsere Fragen zu stellen, die offen und ausführlich beantwortet wurden.

Besonders interessant war es, direkt zu Beginn der Reise einen Eindruck davon zu bekommen, wie unterschiedlich die Rahmenbedingungen innerhalb Norwegens sein können. Dabei wurde auch deutlich, dass selbst in einem wohlhabenden Land wie Norwegen finanzielle Herausforderungen eine Rolle spielen. So erfuhren wir, dass trotz einer Warteliste von rund 100 Personen eine Station mit 15 Zimmern seit längerer Zeit nicht belegt werden kann, da der Kommune die finanziellen Mittel für den Betrieb fehlen.

Der Besuch bot einen guten ersten Einblick in die norwegische Demenzpflege und bildete einen interessanten Ausgangspunkt für die weiteren Einrichtungen, die wir im Verlauf der Reise kennenlernen durften.

 

Carpe Diem Dementia Village

Anschließend ging es weiter nach Bærum zum Carpe Diem Dementia Village.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im hauseigenen Restaurant erkundeten wir das gesamte Demenzdorf.

Schon nach wenigen Minuten war klar: Hier steht Lebensqualität im Mittelpunkt.

Die Bewohner können sich frei im gesamten Dorf bewegen. Es gibt eine Werkstatt, Hobbyräume, einen kleinen Einkaufsladen, einen Pub, ein Fitnesscenter und zahlreiche weitere Begegnungsorte. Alles ist darauf ausgelegt, den Menschen ein möglichst normales und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Besonders beeindruckend war die wohnliche Atmosphäre. Nichts wirkte institutionell oder klinisch. Stattdessen entstand das Gefühl, sich in einem kleinen Nachbarschaftsort zu bewegen. Das gesamte Dorf wurde bewusst so gestaltet, dass Orientierung, Gemeinschaft und Teilhabe gefördert werden.

Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Überall begegneten uns lächelnde Menschen, Bewohner ebenso wie Mitarbeiter. Man spürte, dass dieses Konzept nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern tatsächlich gelebt wird.

Jede unserer Fragen wurde offen beantwortet und man hatte während des gesamten Besuchs das Gefühl, willkommen zu sein. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Wert hier auf Selbstbestimmung, Normalität und Lebensqualität gelegt wird.

Oslo entdecken

Am Nachmittag kehrten wir nach Oslo zurück und hatten zunächst etwas Zeit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden.

Anschließend stand eine zweistündige Stadtführung auf dem Programm. Dabei erfuhren wir viel über die Geschichte Oslos, das politische System, die Entwicklung des Landes sowie das Gesundheits- und Sozialsystem.

Oslo hat mich dabei sehr positiv überrascht. Die Stadt wirkt modern, entspannt und gleichzeitig unglaublich lebenswert. Die Kombination aus Architektur, Natur und viel Wasser schafft eine besondere Atmosphäre. Während der Führung lernten wir viele spannende Hintergründe über Norwegen kennen und entdeckten zahlreiche schöne Ecken der Stadt.

Kulinarischer Abschluss im Vaaghals

Den Abend verbrachten wir im Restaurant Vaaghals, einem der bekanntesten Restaurants Oslos.

Für mich persönlich war das ein echtes Highlight. Das Essen war hervorragend und selbst als jemand, der normalerweise keinen Fisch isst, war ich von den Fischgerichten begeistert.

Bei gutem Essen, netten Gesprächen und einer tollen Atmosphäre ließen wir die Eindrücke des Tages Revue passieren. Der Austausch innerhalb unserer Gruppe war dabei unglaublich wertvoll. Jeder brachte eigene Erfahrungen mit und genau diese Gespräche machten die Reise zusätzlich besonders.

Tag 3: Furuset Hageby Alzheimer Village: ein Ort, der mich nachhaltig beeindruckt hat

Am letzten Tag stand für mich das absolute Highlight der Reise auf dem Programm: das Furuset Hageby Alzheimer Village.

Die von Nord Architects gemeinsam mit 3RW entwickelte Einrichtung hat mich vom ersten Moment an begeistert.

Mein erster Gedanke beim Betreten war:

„Wow – hier könnte ich mir tatsächlich vorstellen zu leben.“

Und dieses Gefühl wurde während des gesamten Besuchs immer stärker.

Die gesamte Anlage ist ebenso wie ein kleines Dorf aufgebaut und bietet den Bewohnern zahlreiche Möglichkeiten, ihren Alltag aktiv zu gestalten. Es gibt kleine Geschäfte, ein Restaurant/Bar, eine Werkstatt, einen Beautysalon, ein Fitnesscenter, ein kleines Lebensmittelgeschäft und viele weitere Begegnungsorte. Besonders beeindruckt hat mich, wie viel Wert auf gemeinschaftliche Erlebnisse und Lebensfreude gelegt wird. Regelmäßig finden Veranstaltungen und Aktivitäten für die Bewohner statt, von gemeinsamen Sommerfesten über Rodeln im Winter, bis hin zu ganz besonderen Erlebnissen wie Motorrädern, die in die Einrichtung gebracht werden, damit Bewohner dieses Gefühl von Freiheit und Motorradfahren noch einmal erleben können. Solche Momente schaffen Erinnerungen, wecken Emotionen und fördern den Austausch. Auch ein liebevoll gestalteter Grillplatz lädt dazu ein, gemeinsame Stunden im Grünen zu verbringen und die Natur zu genießen.

Doch was mich am meisten fasziniert hat, war die konsequente Umsetzung der sogenannten Healing Architecture.

Überall auf dem Gelände finden sich liebevoll gestaltete Grünflächen, kleine Aufenthaltsorte und Sitzmöglichkeiten. Die Außenbereiche sind nicht einfach nur angelegt, sondern bewusst als Teil des Gesamtkonzeptes geplant worden.

Besonders beeindruckt hat mich ein kleiner Mini Wald mitten im Herzen der Anlage. Ein Ort für Geborgenheit und der Naturverbundenheit. Überall laden Sitzgelegenheiten dazu ein, innezuhalten, die Umgebung zu genießen oder miteinander ins Gespräch zu kommen.

Man merkt in jedem Detail, dass hier intensiv darüber nachgedacht wurde, wie Architektur das Wohlbefinden von Menschen positiv beeinflussen kann. Große Fensterflächen sorgen für viel Tageslicht, natürliche Materialien schaffen Wärme und die warme und moderne Farbgestaltung unterstützt die Orientierung und das Wohlbefinden.

Auch die Innenräume waren außergewöhnlich gestaltet. Im Restaurant/ Barbereich stand beispielsweise ein Klavier, das sofort eine warme und einladende Atmosphäre schuf. Die harmonische Farbgestaltung und die gemütliche, moderne Inneneinrichtung rundete das Gesamtbild perfekt ab. Nichts wirkte zufällig. Jedes Detail hatte seinen Platz und unterstützte das Gefühl von Zuhause.

Die gesamte Einrichtung strahlte Wärme, Wertschätzung und Lebensqualität aus. Während unseres Rundgangs kam ich immer wieder zu dem gleichen Gedanken zurück: Hier wurde ein Ort geschaffen, an dem Menschen mit Demenz nicht einfach versorgt werden, sondern leben können und wertgeschätzt werden.

Für mich war dies weit mehr als eine Pflegeeinrichtung. Es war ein Ort, an dem Menschen mit Demenz ein echtes Zuhause finden können.

Das Furuset Hageby Alzheimer Village wird mir besonders in Erinnerung bleiben. Die Kombination aus Architektur, Natur, Gemeinschaft und Lebensqualität hat mich nachhaltig beeindruckt und gezeigt, welchen Unterschied eine durchdachte Umgebung für Menschen mit Demenz machen kann. Viele der dort gewonnenen Eindrücke werden mich sicherlich noch lange begleiten.

Mein Fazit

Meine erste Studienreise war eine unglaublich bereichernde Erfahrung.

Ich durfte innovative Demenzzentren kennenlernen, spannende Einblicke in das norwegische Pflege- und Gesundheitssystem gewinnen und viele inspirierende Gespräche führen.

Vor allem aber habe ich gesehen, wie moderne Demenzpflege aussehen kann, wenn Architektur, Inneneinrichtung, Betreuung, Selbstbestimmung und Lebensqualität konsequent zusammengedacht werden.

Neben den beeindruckenden Einrichtungen nehme ich vor allem auch die norwegische Herangehensweise an Pflege mit nach Hause. Viele Konzepte stellen die Lebensqualität, Selbstbestimmung und Teilhabe der Bewohner konsequent in den Mittelpunkt. Es geht nicht nur darum, Menschen zu betreuen, sondern ihnen ein möglichst normales und erfülltes Leben zu ermöglichen.

Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, an dieser Reise teilzunehmen und ich kehre mit jeder Menge Inspiration und spannenden Kontakten zurück.

Mein besonderer Dank gilt Tanja Ehret von CareTRIALOG für die hervorragende Organisation sowie allen Teilnehmern für den offenen Austausch und die vielen wertvollen Gespräche.

Diese Reise hat mir einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, neue Perspektiven kennenzulernen und den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zu wagen.

(Autor: Katharina Schoneweg, Teamleitung Marketing)